Würde reduziert den Menschen nicht auf wenige Aspekte.

 

Würde darf nicht missbraucht werden als Anspruch an die Person.

 

Würde beruht nicht auf unserer Vernunft oder Autonomie,

sondern auf unserer Verletzlichkeit.

 

Würde ist nicht unterteilbar.

Sie kommt jedem Menschen zu oder niemandem.

 Diözesantag Seniorenarbeit: „Wir bauen mit an einem menschenwürdigen Alter!“

Kolpinghaus Allersberg, Marktplatz 10, Samstag, 14.10.2006, 9.30h – 17.30h

„Die Würde des Menschen ist (un?)antastbar  – Wir bauen mit an einem menschenwürdigen Alter!“

Vortrag Annette Zimmermann - Kurzversion

0. Einstieg Märchen

1. Alter – eine ambivalente Lebensphase:

Alter – nicht mehr jung sein, Verluste erleben, Einschränkungen verkraften, immer weni­ger Möglichkeiten haben, hinleben auf den Tod

Alter – eine Lebensspanne, die mir geschenkt ist –Freiheit, Reife, Ernte, Weisheit, Zufriedenheit und Glück

2. Die demographischen Entwicklungen - der große Anteil älterer Menschen – be­wirkt durch eine längere Le­bensdauer und eine abnehmende Kinderzahl – stellen un­sere Gesellschaft vor  noch nie da gewesene Herausforderungen.

(Bereich: Altenbildung)

3. Nach Ende der Berufstätigkeit und/oder der so genannten Familienphase erwartet uns noch eine Lebens­spanne von 30 bis 40 Jahren. Eine Zeit, die die Jahre unserer Kindheit und Jugend weit übersteigt. 

4. Bei den meisten heutigen Rentnern ist der größte Teil dieser Jahre gekennzeichnet durch große Aktivi­tät, viel freie Zeit, gute Gesundheit und auch finanziell noch nie so gut abgesichert wie heute. So heißen auch die Schlagworte unserer Zeit produktives, erfolgreiches, gelingendes Altern, Enpowerment.

5. Ein unerschöpfliches Potential für Gesellschaft und Kirche.

6. Ein ganz wichtiger Teil des Lebens, der  gestaltet werden muss, auf den man sich vorberei­ten muss.

>> Eine Aufgabe auch der Kirche bes. der Pfarrgemeinde, dafür Möglichkeiten zu schaffen.

7. Würdiges Altern, das kann auch als Anspruch gemeint sein im negativen Sinne. Ich nehme den ande­ren als Mensch gar nicht ernst, sondern reduziere ihn auf eine Rolle, die ich ihm zuweise.

8. Die Alten gibt es heute nicht. Diese Gruppe ist so vielfältig und unterschiedlich wie es auch die mittle­ren und jüngeren sind.

>> Deshalb müssen auch  in unseren Kirchengemeinden  Seniorinnen und Senioren  in ihrer Differenziert­heit wahrgenommen werden.

(Bereich: Altenhilfe)

9. Erst die Frage, wie wir in unserer Gesellschaft mit denjenigen  umge­hen, die krank, pflegebedürftig oder verwirrt sind und denen, die im sterben liegen, entscheidet wie human wie zivilisiert wie fortschrittlich un­sere Gesellschaft ist.

10. In der Altenhilfe von Würde als Leitidee zu sprechen gilt als antiquiert.

11. Komplexe Verfahren  und detaillierte Leistungskataloge sollen die Qualität der Pflege sichern, sind aber gleichzeitig (primär) an Wirtschaftlichkeit ausgerichtet.

12. Doch was, wenn es Dinge gibt, die sich nicht exakt messen lassen? Es entsteht eine vermeintliche Objektivi­tät, ja eine Objektivierung der Menschen, um die es geht. Die Individualität, die menschliche Interaktion zwischen Pflegekraft und zu Pflegendem bleibt außen vor.

13. Zunehmend kommen soziale Einrichtungen nicht mehr ohne Ehrenamtliche aus, die sich dann um „Würde und Nächstenliebe“ kümmern sollen. Doch Ehrenamt kann nicht verordnet oder eingefordert werden. Und alle Seniorinnen und Senioren haben ein Anrecht auf eine würdigende Pflege, die auch vom Staat garantiert  und von der gesamten Gesellschaft solidarisch finanziert werden sollte.

14. Daher sollte Würde die Leitkategorie in der Altenpflege sein, um eine humane an den Menschen orien­tierte Versorgungsgestaltung zu garantieren.

>> Dies einzufordern und zu diskutieren ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte nicht nur Exper­ten überlassen werden. Gerade die kirchlichen Wohlfahrts­verbände und die kirchlichen Seniorenfo­ren sind hier auf allen Ebenen ge­fragt.

(Bereich: Altenpolitik)

15. Würdigen verlangt, dass die tatsächliche Lebensleistung eines Menschen der Anerkennung bedarf.

16. Doch ganz im Gegenteil scheint es so, als wenn die Alten für die Jungen nur unter dem Stichwort Last gesehen werden (Rentnerschwemme (Unwort des Jahres 1996), Kostenlawine…, sozialverträglichen Frühable­ben (Unwort des Jahres 1998).

Wie entwürdigt muss ich mir vorkommen, wenn von mir immerzu als Last gesprochen wird.

17. Steigende Altersarmut, zunehmendes „Sinnlosigkeitsgefühl“ … Suizid

18. großes Anliegen vieler Seniorinnen und Senioren: Bloß nicht zur Last zu fallen. Die größte Sorge vieler ist daher zum Sozialhilfefall zu werden. Vollkommen abhängig nichts mehr geben, verschenken zu kön­nen, vielleicht alles, was man erwirtschaftet hat  verloren gehen zu sehen, sich wieder auf dem Status zu sehen wie ein Kind das Taschengeld empfängt. Stolz sein zu können auf das, was man geschaffen hat, Würdi­gung daraus zu erfahren, dies steht auf dem Spiel.

19. Würde sprachgeschichtlich verwandt mit dem Wort „Wert“.

Und das sollten wir ruhig dahingehend deuten, dass uns die Seniorinnen und Senioren, wenn wir sie würdi­gen wollen, uns auch finanziell etwas wert sein müssen, uns als Gesell­schaft. Es ist unsere Entscheidung was wir mit unseren Steuern finanzieren möch­ten, wo unsere Werte liegen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Wir müssen es den Politikern allerdings auch deutlich machen. (Bremer Stadtmusikanten)

20. Wir sind eine reiche Gesellschaft, wir geben sehr viel Geld für Prestigeobjekte aus. Sollten wir dann nicht auch fähig sein  jeden unserer Seniorinnen und Senioren von entwürdigender   zu bewahren?

>> gute (politische) Ansätze der katholischen Verbände sollten in unseren Gemeinden diskutiert werden.

Nicht nur Altenhilfe auch Altenpolitik gehört unverzichtbar zu den Aufgaben kirchlicher Seniorenarbeit. Wirken wir auf unsere Politiker vor Ort ein, damit sie die nötigen Strukturen für eine Gesellschaft schaffen, die ihre Seniorinnen und Senioren würdigt.

(Bereich: Altenmedizin)

21. Die Würde des Menschen ist  im Christentum unabhängig von jeder Leistung, die er erbringen müsste, unabhängig von Amt, Stellung und Beruf oder ähnlichem. Allein die allen Menschen gemeinsame Ebenbildlich­keit Gottes begrün­det sie und die Tatsache, dass sich Gott in Jesus Christus in das Menschsein inkar­niert, hineinbegeben hat und ihm damit  Würde verleiht.

22. Das hat die Geschichte des Würdebegriffes maßgeblich beeinflusst und ist auch Grund­lage unserer Verfas­sung:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

So lauten die ersten Worte unseres Grundgesetzes in Artikel 1 der Grundrechte.

23. Selbsttäuschung, ein Wunsch? Die Menschenwürde wird sehr oft angetastet.“ und

24. Daher heißt es im Grundgesetz auch weiter: „Sie zu achten und zu schüt­zen ist Verpflich­tung aller staatli­cher Gewalt.“ Und man müsste ergänzen jedes Staatsbürgers!

25. Die Voraussetzung von Menschenwürde ist aber das Lebensrecht für alle Menschen.

26. Abgrenzung zur Personenwürde. Personsein an bestimmten Eigenschaften festgemacht. Damit wird das Lebensrecht exklu­siv und es entsteht eine Bedrohung für all jene, denen personale Eigenschaften abgespro­chen werden. (Peter Singer, Norbert Hoerster).

27. Forschung an embryonalen Stammzellen, die Tötung von Wachkomapatienten,  Sterbehilfe allgemein, das Lebensrecht von geistig Behinderten, Demen­ten steht damit zur Disposition.

28. Menschenwürde hingegen kennzeichnet den besonderen Status, den der Mensch allein auf Grund seines Menschseins erwirbt, allein, weil er von Menschen abstammt. Unsere deutsche Vergangenheit gemahnt uns dazu Ethiken, die dies ablehnen, auch nicht einen Spaltbreit die Tür zu öff­nen!

>> Grundprinzip der Menschenwürde nicht Vernunft, Autonomie (Kant…) sondern Verwundbarkeit  (Christen­tum, Buddhismus, Franz Josef Wetz)

 

(Bereich: Altenpastoral)

Menschenwürde ist immer verletzlich, ist immer in Gefahr.

Menschen sind immer verletzlich, sind immer in Ge­fahr.

Darin sind wir uns alle gleich. Wir alle sind verwundbar.

Und darin ist uns auch Gott gleich gewor­den – in Jesus Christus als ausgeliefertes Kind in der Krippe, angewie­sen auf menschliche Zuwendung bis hin zum  furchtbar grausamen Kreuzestod.

Wir glauben daran, dass die einzige Antwort auf Leid, auf Verwund­barkeit Liebe ist.

Gott ist die Liebe.

Menschenwürde ist Gottesebenbildlichkeit und Gottesebenbildlichkeit ist Liebesfähig­keit.